Der Spagat zwischen Perfektion und Synchronität

17. Unstrut-Hainich-Turnier im karnevalistischen Garde- und Showtanz in Bad Tennstedt

Thüringer Allgemeine

An der letzten Treppenstufe geht der Kopf nach oben. Der rot geschminkte Mund zaubert ein Lächeln und lässt die weißen Zähne hervorblitzen. Höchste Konzentration ist angesagt. Die achtjährige Florentine Saalfeld ist eines von zehn Tanzmariechen in der Altersklasse der Sechs- bis Elfjährigen. Erstmals nimmt sie am 17. Unstrut-Hainich-Turnier im karnevalistischen Garde- und Showtanz teil, das in Bad Tennstedt stattfindet. Noch einmal wird kurz durchgeatmet, dann geht es los.

Wie ein Wirbelwind fegt sie über die Bühne. Vorwärts, rückwärts, mit ausgestreckten Händen mit flinken Drehungen. Pausenlos. Die Beine schnellen in die Luft – bis hoch zum Kopf. Standspagat heißt das im Fachjargon der Juroren, die die Tänzer von drei Seiten auf Perfektion und Synchronität beobachten. Mehr als es bei jeder früheren Faschingssitzung der Fall gewesen ist.

Florentine, die als Tanzmariechen für den Tennstedter Karnevalsverein startet, kennt überdies den schnellsten Weg diagonal über die Bühne – und zwar Rad schlagend. Ein Jahr lang hat sie sich mit wöchentlichem Training auf ihren großen Auftritt vorbereitet. Sogar der Spagatsprung rund einen Meter über dem Auftrittspodest gelingt.

Trainerin Charlotte Botta , gerade einmal 19 Jahre jung, ist stolz auf ihren Schützling. Florentine Saalfeld , da ist sie sich sicher, steht als Mariechen noch eine große Zukunft bevor. Die Trainerin sieht Florentine bereits bei den Thüringer Landesmeisterschaften im karnevalistischen Tanzsport.

Um Turnierluft zu schnuppern, ist das offene Turnier in Bad Tennstedt die richtige Kulisse. Charlotte Botta hat selbst zehn Jahre als Mariechen getanzt. Ihre Bestleistung war der vierte Platz bei den Landesmeisterschaften unter 20 Mariechen. Aus dieser Zeit weiß sie: „Karnevalstanz ist definitiv Hochleistungssport.“

Top-Schwierigkeiten für nächste Session

Florentine ist in der Zwischenzeit von der Bühne in die Garderobe zurückgekehrt. Nachdem sie für ihren Auftritt als Tanzmariechen gute anderthalb Stunden geschminkt wurde, wird sie von einer Hand voll Helfern schon für den Schautanz herausgeputzt. Sogenannte Bogengänge und ein freihändiger, risikoreichen Radschlag, bei dem die Hände für die Radwende nicht genutzt werden, sollen bis zur nächsten Session sitzen.

Botta und Saalfeld sind zuversichtlich. Die Motivation stimmt. Für beide ist der Karnevalstanz – egal ob als Mariechen, in Garde oder als Showtruppe „das Aushängeschild für jeden Verein selbst“, wie Charlotta Botta sagt.

Auf der Bühne fliegen indes weiter die Beine durch die Luft; der Boden vibriert, das Tanzfeuer ist ausgebrochen. Einen tiefen Eindruck bei der Jury hinterlässt auch Mariechen Swantje Janßen . Die Zwölfjährige kommt aus Apelern in Niedersachsen . Der Weg nach Bad Tennstedt ist weit, aber man schätzt das offene Turnier als Vergleichsmöglichkeit in tänzerischer, akrobatischer Leistung.

70 Beiträge aus 17 Vereinen

Mit einem einhändigen Radschlag fängt sie die Blicke der Jury ein. Der Russenkreisel, bei dem die Beine unter dem Körper bewegt werden, gehört genauso zum „Standardprogramm“, das abgefordert wird, wie der Spagatsprung. „Ich bin stolz auf mich“, sagt Swantje nach ihrem Auftritt. Der Glockensprung, der noch bei der Generalprobe nicht klappen wollte, hat zum Finale einwandfrei hingehauen.

Für diese Perfektion trainiert sie zweimal wöchentlich je drei Stunden. Mehr als ein Hobby soll es jedoch nicht werden. Für Landesmeisterschaften müsste die ohnehin schon intensive Vorbereitung noch intensiver ausfallen.

Insgesamt 70 Beiträge von 17 Vereinen wurden vor der Jury präsentiert. Eine Zahl, die sich – im Vergleich zu den letzten Jahren – wieder auf einem gering höheren Level bewege, wie Mitorganisatorin Gabi Buchler sagt. Nach dem Rosenmontag ist das der karnevalistische Abschluss.

Gabi Buchler wünscht sich, dass mehr Schautanzgruppen nach Bad Tennstedtkommen. Dass sich die Anzahl der Teilnehmer in den jeweiligen Altersklassen im Bereich zwischen drei und fünf bewegt, ist wohl dem Umstand der intensiven Vorbereitung geschuldet. „Das macht am meisten Arbeit, weil man sich ein Thema ausdenken und das durchhalten muss“, so Gabi Buchler .

Apropos Themen: Lediglich ein Schautanz rührte die Jury zu Tränen. Die Kinder des Kultur- und Faschingsvereins Seebenisch holten neben Tänzern im Blätterkostüm auch den Igel und den Menschen mit der Motorsäge auf die Bühne. Auf flotte Art wurde so das Einwirken von Mensch auf die Natur gezeigt. „Das Thema wurde auch tänzerisch durchgehalten“, lobte Jurorin Jeanette Bauß-Gaßmann , die zum FSV1921 Herbsleben gehört und ihre Tochter im Mariechentanz trainierte.

Grundsätzlich aber zeigten alle Teilnehmer eine hohe Qualität. Die dichte Punktevergabe untermauerte das.

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